24/02/17
Wer hätte gedacht, dass ich mich auf meine alten Tage noch ans bloggen machen würde. Aber die Idee war plötzlich da und hat mich nicht mehr losgelassen.
MENSCHHEIT? ABSCHALTEN! 101 Gründe, warum wir aussterben müssen.
Jetzt heißt es natürlich, die 101 Folgen so rechtzeitig fertigzustellen, dass ihnen die Apokalypse nicht dazwischenkommt. Enjoy!
https://menschheit-abschalten.blog/

22/10/16
Aus der Reihe "Gedichte, die einer schrieb, bevor er im 8. Stockwerk auf einen vorbeifliegenden Marienkäfer zu ejakulieren versuchte":

DISPO 2000

rechts
ist dort
wo der Daumen
bis aufs Knochenmark
weggefressen ist
links
da
wo er um 180 Grad
verdreht
zur Seite absteht
und hinter den Schaltern
meiner Bank
hockt verwarztes Gesocks
und verlangt Beweise
meiner
Kreditwürdigkeit

Tonnen von Waffen
und Millionen
von Gedemütigten
tummeln sich auf der Habenseite
für das Soll
stehen
die dünnen
verkniffenen Lippen
aus den Vierteln
in denen sie gute Erziehung
mit Tennisunterricht verwechseln

Geld ist Blut
ist Schweiß
ist Eiter
und mein Sachbearbeiter
mimt den Prüfer einer Schauspielschule
während ich ihm das Märchen
von baldigen Einkünften
auftische

18/10/16
Habe beim Renovieren des Billardzimmers einen alten Text ausgegraben, den ich der Weltöffentlichkeit nicht vorenthalten darf. Er wird etwa zur Jahrtausendwende geschrieben worden sein und möchte jüngeren Mitbewerbern mit ein paar Tipps unter die Arme greifen. Wenn das nicht großzügig genannt werden kann.

ZEHN RATSCHLÄGE FÜR DEN NACHWUCHS

1. Lies alles, was du in die Finger bekommst, am besten Texte, die du, bevor du zu schreiben begonnen hast, nie in dein Bewusstsein gelassen hättest. Betrachte Lesen – selbst in den Momenten, in denen es dir Vergnügen bereitet – stets als Teil deiner Arbeit.
2. Geh unter Menschen. Begib dich in Kreise, setz dich Szenarien aus, die dir fremd sind. Versuch in jedem, der dir begegnet, das Einzigartige, das Berichtenswerte zu sehen.
3. Schmeiß einen Text, den du begonnen hast, niemals weg. Leg ihn beiseite, falls er dir missfallen sollte, aber halt ihn dir irgendwann wieder vor Augen (und sei es Jahre später). Nichts verlässt jemals deinen Kopf, aus dem du nicht irgendwann Gewinn ziehen könntest.
4. Sei geduldig. Erfolg, in welcher Form auch immer, kommt selten über Nacht. Stell die Arbeit nicht ein, auch wenn dir mal wirklich gar nichts einfallen will. Die drei Sätze, für die du heute vier Stunden brauchst, ermöglichen dir morgen zwei Seiten in drei.
5. Nimm Kritik nie persönlich. Sei froh, dass dir überhaupt die Gnade zuteilwird, kritisiert zu werden. Lass alles, was du über deine Texte erfährst, entspannt durch deine Augen und Ohren fließen, aber nimm es auf. Dein Unterbewusstsein wird Wichtiges von Unwichtigem schon zu unterscheiden wissen.
6. Unterteile Menschen, die dir Kritik zukommen lassen, nie in wichtig oder unwichtig. Jeder Leser ist gleichberechtigt. Keine Stimme zählt doppelt.
7. Stell dich darauf ein, dass der Prozess des Schreibens ein einsamer ist. Schaff dir ein Waffenarsenal, das dir diesen Zustand ertragen hilft. Besorg dir ein Haustier, hör nicht auf, dich für Musik zu interessieren, mach Sport. Und vor allem: Leg immer wieder längere Pausen ein, in denen du nichts Anderes tust, als dem echten Leben beizuwohnen.
8. Sei mutig, stell dir immer wieder neue Aufgaben. Lass niemals zu, dass der Markt, eine Fangemeinde oder die Angst vorm Versagen dich zum Wiederholen einmal erprobter Erfolgsrezepte verführen.
9. Verneige dich vor der Phantasie, aber versuch nicht mit ihrer Hilfe dem zu entkommen, was für einen Schriftsteller das Wichtigste ist: so viel Persönliches preiszugeben wie nur möglich (egal, wie verklausuliert es auch daherkommen mag).
10. Quatsch nicht lange rum, schließ die Tür und setz dich auf deinen Arsch. Gib mir Kunst!

25/02/16
Ist es wirklich schon vier Jahre her, dass mein letzter Roman die Charts in Myanmar und Kambodscha durcheinandergewirbelt hat? Jetzt gibt es endlich neuen stOFF. Wer schon mal reinlesen möchte: www.weiterlesen.de/helligkeit

30/05/15
Ein paar Zeilen zur Anthologie "Fledermausland - diverse Wahrheiten über Wasserstände, Paranoia, Journalismus und Hunter S. Thompson", erschienen im Gonzo-Verlag:


NUR EIN STUMMER WECKER IST EIN GUTER WECKER

Mit Anthologie-Beiträgen ist das so eine Sache. Du schickst was ein, weil dir das Thema gefällt oder der Herausgeber oder der Verlag(oder alles zusammen), und weißt dennoch nicht, welches Ergebnis dich erwartet.
Wenn du Glück hast, ist es eine Mischung aus Texten, die so gut sind, dass du sie am liebsten selbst geschrieben hättest, Texten, denen du aufgrund ihrer Machart eine eher mittelmäßige Note gibst, und Texten, die dich völlig kaltlassen. Wenn du Pech hast, ist ein Text dabei, der derart kläglich daherkommt, dass du während des Lesens vor lauter Scham und Ekel Mühe hast, dir nicht die Pulsadern zu öffnen.
In 'Fledermausland' ist es Konstantin Wecker (ja genau, der Liedermacher), der daran arbeitet, aus vormals geistig gesunden Lesern, ritzende, Blut und Eiter schwitzende Wracks zu machen, und das mit Hingabe. Nun habe ich Wecker noch nie für den hellsten Brennstab im Reaktor gehalten, was er aber hier abliefert, sprengt dann doch noch mal sämtliche Minusrekorde. In seinem, äh, Essay, bläst er zwei Seiten lang erst ins verschwörungstheoretische Horn von der sogenannten "Lügenpresse", nur um sich gleich darauf als "Putinversteher" zu outen, und zwar mit einer derart hohlen Begründung, dass sie auch jeder "Hitlerversteher" für sich in Anspruch nehmen könnte.
Was Wecker nicht sehen möchte, oder vielleicht auch nur vergessen hat, wusste Hunter S. Thompson, dem diese Anthologie ja gewidmet ist, dagegen umso mehr: "Macht will nicht verstanden, Macht will bekämpft werden. Und zwar mit Worten, Wodka und Macheten." Darauf ein Tässchen Putinka!
Und nun holt Euch das Buch, ihr kleinen Droogs! Denn das lohnt sich – Wecker hin, Wecker her – allemal, allein schon wegen der wunderbaren Eva Szulkowski.

https://gonzoverlag.wordpress.com/2015/03/05/fledermausland/

07/12/14
Voilà! Der an dieser Stelle bereits im September angekündigte Kurzgeschichtenband ist endlich erschienen, und zwar unter dem massenkompatiblen Titel „Bei uns kommt der Hass aus der Leitung – Wichsvorlagen für Scheintote“.

Der Kauf des Buches lohnt sich allein schon wegen der Texte meiner beiden formidablen Kolleginnen Steffi Love und Ellen Stein. Wer es allerdings speziell auf Beweise meiner Kunst abgesehen hat, der sei darauf hingewiesen, dass von den fünf Geschichten, die ich in den „leitungshassenden Wichsvorlagen“ untergebracht habe, vier schon einmal woanders veröffentlicht wurden. Dies allerdings in Kompendien, die so rar sind, dass ich mir nur schwer vorstellen kann, dass eine(r) von euch sie allesamt im Regal stehen hat.

Zum Überprüfen dieser These hier nun ein detaillierter Überblick:

„Abdrift“ erschienen in „How I fucked Jamal“ (Milena Verlag, Wien 2010)

„Zonenrand – Schlaraffenland: 0:6“ erschienen in „Leck mich am Leben“ (Verlag Neues Leben, Berlin 2012)

„Abbrucharbeiten im Bootcamp der Zweisamkeit“ erschienen in „Heiraten schön trinken“ (Milena Verlag, Wien 2013)

„Judgement Day, Digger!“ (ursprünglicher Titel: „Merkel-Jugend“) erschienen in „Diene der Party“, Begleitbuch zum gleichnamigen Tonträger der Band Pascow.

13/09/14
Freuet Euch, Brüder und Schwestern, die ihr das Glück genießt, einen erlesenen Literaturgeschmack euer Eigen zu nennen! Ich habe vor kurzem mit dem Schreiben eines neuen Romans begonnen, ja, die ersten Kapitel des Werks gar schon fertiggestellt.
Damit die Wochen und Monate bis zum letztlichen Erscheinen dieses Vulkanausbruchs von Buch nun aber nicht allzu lang werden, wartet in Bälde, also noch in diesem Herbst, ein Kurzgeschichtenband darauf, von euch erworben und unters Kopfkissen gelegt zu werden. Das Kompendium beinhaltet neben Texten von mir ausgewählte Schriften meiner verehrungswürdigen Kolleginnen Steffi Love und Ellen Stein, und wird zweifelsohne eher früher als später unter dem Namen „Stein of(f) Love“ Pflichtlektüre an allen schlecht geführten Tanz- und Fahrschulen dieses Landes werden.

14/03/14
Unglaublich aber wahr, liebe Betschwestern und Kegelbrüder: Im Sommer 1994 habe ich meine erste Kurzgeschichte geschrieben (natürlich mit der Maschine).

Die Tatsache, dass ich 20 Jahre später noch immer schreibend durchs Leben wandle, ja, dass ich überhaupt noch lebe, stimmt mich derart sentimental, dass ich unbedingt ein paar Goodies raushauen möchte. Ich habe deshalb einen tiefen Stollen in den Müllhaufen gegraben, der sich "mein Archiv" nennt, und ein paar echte Raritäten bergen können, u.a. einige Exemplare der CD "Im Kessel der Enthusiasten" sowie einen letzten Restposten des Erziehungsratgebers "Kreuzigungspatrouille Karasek".

Von diesem und anderem Zeug werde ich bei meinen nächsten Auftritten immer etwas dabeihaben (solange der Vorrat reicht, versteht sich). Wer sich damit beschenken lassen möchte, springt, äh, spricht mich einfach an.

25/02/14
40 Seiten Menschenhass und gute Laune

Endlich sämtliche Texte der "Wachkomapatienten"-Reihe – zwei davon gänzlich unveröffentlicht – an ein und dieselbe Ruderbank gekettet. Ein Cover wie in den frühen 90ern, alles von ausgewiesenen Tagedieben kopiert und getackert, auf 200 Exemplare limitiert und durchnummeriert. Wer das nicht kauft, muss in allen anderen Werken, die er von mir besitzt, die Buchstaben o, a und e mit Löwensenf ausmalen. Für schlappe 3€ nur hier zu beziehen: www.undergroundpress.de/autoren.html

22/01/14
Letztens diesen Textgiganten vom Fußboden meines Archivs gekratzt und danach voller Freude festgestellt, dass vom Dalai Lama nicht mehr allzu viel zu hören ist: www.unsichtbar-verlag.de

13/10/13
Mein Buch, Dein Lebensretter:
www.youtube.com/watch?v=RPXBn1EZaz8

09/10/12
Liebe Volksmusikfreunde,
meine Netzelfe hat unter der Rubrik "MTV" gleich vier brandheiße Filme aus der Welt des Tierreichs versammelt, von denen ich der geneigten Kundschaft ganz besonders die Dokumentation "Das erbarmungswürdige Dasein des Schriftschaffenden" ans Herz legen möchte. Nachgerade unerhört, was die Reichen und Schönen dieser Republik in dem knapp vierminütigen Streifen alles für Possen aufführen. "E-kel-haft", würde Roger Willemsen sagen, wenn er denn mal Zeit hätte, den Film zu sehen.

28/08/12
Keine Frage, der Ausgang des diesjährigen Schanzenfestes war eine Katastrophe. Abzusehen war dergleichen allerdings schon länger. Warum sonst hätte ich mich wohl im Herbst 2010 zu folgendem Statement veranlasst gesehen:

„Nazis und Bullen und Oberlippenbärte“

Als anlässlich des zwei Tage zuvor gefeierten Schanzenfestes in der Hamburger Morgenpost vom 06.09.2010 unter der Überschrift „Darum machen wir Randale“ ein 18-Jähriger aus dem Stadtteil Osdorf mit den Worten zitiert wurde „ich habe so einen Hass auf diese ganzen Ausländer in Deutschland“, kam dem angewiderten Leser unweigerlich ein Statement in den Sinn, das im Juli/August des selben Jahres in der zeck #157 zu lesen war.
Mit Blick auf heftige Auseinandersetzungen vom 01.05.2010, die ebenfalls das Schanzenviertel zum Schauplatz hatten (und bei denen ein überdurchschnittlich hoher Anteil an Jugendlichen und Heranwachsenden festgenommen worden war), heißt es dort unter dem Titel „1.Mai: Schanze, Krawalle und Solidarität“ unter anderem: „Die Jugendlichen, die in Hamburg auf der Straße revoltiert haben, haben Bedürfnisse, Wünsche und eine Sehnsucht nach Teilhabe am Leben. Manche kommen aus reicheren Elternhäusern, andere aus ärmeren. Sie sind Querschnitt der Menschen, die hier leben, die die Flora besuchen oder hier im Stadtteil abhängen. Manche sind Anarchist_Innen oder Autonome, andere nicht. Was sie und uns verbindet, ist keine Ideologie oder feststehende Utopie, sondern die Unzufriedenheit und der Wunsch, dass etwas anders wird. Wir finden dies nicht verurteilenswert, sondern gut.“ Verantwortlich für diese Zeilen zeichnet die AG Repression und Solidarität aus der Roten Flora, die sich angesichts des oben zitierten Osdorfers nun die Frage gefallen lassen muss, ob „der Wunsch, dass etwas anders werden muss“, auch das Verlangen mit einschließt, „diese ganzen Ausländer“ endlich dahin zu schicken, „wo der Pfeffer wächst“.
Ernsthaft würde das natürlich niemand behaupten wollten. Es lässt sich aber an dieser Zuspitzung schön aufzeigen, wie schnell man sich, wenn man wie die AG Repression und Solidarität aus der Roten Flora jeden zum Bundesgenossen machen möchte, der nur einen Pflasterstein in die Hand nimmt – und sei es auch mit 3,2 Promille auf dem Kessel und Hass auf alles Fremde im Herzen –, in Gefahr begibt, den Blick für die Wirklichkeit zu verlieren
Natürlich darf darüber spekuliert werden, inwieweit der von der „Mopo“ ins Rennen um die Publikumsgunst geschickte 18-Jährige tatsächlich existiert. Dass ritualisierte Auseinandersetzungen mit den Sicherheitsorganen, wie sie beispielsweise alljährlich am 1. Mai in Berlin stattfinden, aber nicht nur Freunde linksradikaler Folklore anlocken, sondern auch Menschen, die jede Kirmesschlägerei zum Anlass nehmen, um ihren Gewaltfetisch auszuleben, wird wohl niemand ernsthaft verneinen wollen. Allein die Tatsache, dass unter den Festgenommen regelmäßig Polizeibeamte zu finden sind, die auf den Nervenkitzel einer Straßenschlacht offenbar auch in ihrer Freizeit nicht verzichten können, spricht in dieser Hinsicht Bände. Und so will es nur logisch erscheinen, dass sich unter den Jugendlichen, mit denen sich die AG Repression und Solidarität der Roten Flora verbunden fühlt, auch der ein oder andere (verkleidete) Nazi tummelt.
Auch unabhängig dieser Frage halten wir es allerdings für fahrlässig, sich mit all jenen zu solidarisieren, die da am 01.05. „in Hamburg auf der Straße revoltiert“ haben. Zwar leitet die AG in ihrem Papier die Motivation vieler Beteiligter richtig her, wenn sie schreibt, dass Gewalt im Alltag nicht aus heiterem Himmel entstehe, sondern als Ergebnis der politischen und sozialen Realität. Daraus aber den Schluss zu ziehen, man habe es hier mit Streitern für eine befreite Gesellschaft zu tun, die „die Scherben vor der Haustür“ schon zum „Funkeln“ bringen würden, ist ein brandgefährlicher Irrtum. Ein Irrtum, der sich zweifelsohne aus dem verständlichen Wunsch heraus erklärt, wieder an Masse zu gewinnen, also aus der gesellschaftlichen Bedeutungslosigkeit herauszutreten, in der die autonome Bewegung nun schon seit knapp zwei Jahrzehnten verharrt.
Aber wie sich schon in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts der vielfach umworbene „Proletarier“ nicht „befreien“ lassen wollte, taugt auch der Jugendliche aus Osdorf, Billstedt oder Schnelsen nicht (oder jedenfalls nur bedingt) zum Objekt revolutionärer Träumereien. Wer Menschen als Fotze tituliert und dann auch noch gerade denjenigen Schläge anbietet, die versuchen, die Zerstörungslust nicht völlig richtungslos ausufern zu lassen (wie am 01.05. gleich mehrfach beobachtet), hat nämlich im Zweifelsfalls auch kein Problem damit, linke Freiräume zu zerlegen.
Wer das nicht glauben mag, dem sei ein Blick in die Aufzeichnungen autonomer Historie empfohlen. Beispielhaft seien hier die Auseinandersetzungen vom Frühjahr 1996 auf dem Sprengel-Gelände in Hannover genannt. Auch damals waren es „rebellische Jugendliche“, Punks nämlich, die man erst mit offenen Armen empfangen hatte, nur um dann später ein massives Gewaltproblem an der Backe zu haben. Um die Situation in den Griff zu bekommen, blieb den ursprünglichen Bewohnern des Sprengel am Ende nichts anderes übrig, als ihrerseits den Knüppel aus dem Sack zu lassen, womit sie dann von der Bildung einer Bürgerwehr (die die AG Repression und Solidarität aus der Roten Flora zurecht verteufelt) nur noch so weit entfernt waren wie ein aufstrebender Immobilienmakler vom Eintritt in die FDP.
Dass junge Menschen „ihrer Unzufriedenheit Ausdruck verleihen“, mag klammheimliche Freude oder auch offene Zustimmung auslösen, sich aber uneingeschränkt und sofort mit jedweder Ausdrucksform dieser Unzufriedenheit zu solidarisieren, sollte eine emanzipatorische Bewegung vermeiden. Ansonsten läuft sie Gefahr als reiner Dienstleister zu enden, der mit den von ihr organisierten Events wie Schanzenfest oder 1.Mai dafür verantwortlich zeichnet, dass frustierte Zeitgenossen zweimal im Jahr auf den Putz hauen dürfen, nur um hernach ihren Platz im Hamsterrad umso entspannter wieder einzunehmen – im übrigen eine mindestens so strategische wie moralische Frage.
Und damit zu Schlusswort, das diesmal denjenigen gehören soll, die in die oben erwähnten Auseinandersetzungen auf dem Sprengelgelände nicht wenig Kraft und Lebenszeit investieren mussten:„Auch wenn wir uns im August 95 über flüchtende Bullen, einen geplünderten Penny-Markt und andere schöne Szenen freuten, hatte der Charakter des Ganzen für uns zu viele Schattenseiten. Besoffene Horden von Schlägern, Hooligans und anderen Mackern, denen es in erster Linie um das Ausleben ihrer Gewaltphantasien und erst in zweiter Linie um die Frage, gegen wen oder was sich ihre Aktionen richten, geht, lösen in uns weder Begeisterungsstürme aus, noch das Bedürfnis, an ihrer Seite gegen irgendetwas zu kämpfen. Uns war letztendlich unklar, ob es zumindest entfernt noch ‚irgendwie’ um einen Kampf für eine freie Gesellschaft ging (so im Hinterkopf) oder eher darum, mal so richtig die ‚Sau rauszulassen’, ohne Rücksicht auf Verluste. Uns geht es um Widerstand, und zwar gezielt und vermittelbar. Widerstand unter größtmöglichem Ausschluß von faschistoiden oder sexistischen Verhaltensweisen und mit dem Bewußtsein, gegen wen und was sich Militanz richten oder nicht richten muß.“

20/02/12
Ausgezeichnet mit dem Silbernen Bären der Berlinale, ausgezeichnet mit dem Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig, nominiert für die Goldene Palme von Cannes:

http://www.youtube.com/watch?v=Pdcy2f0p30g

(Einer muss der gerechten Sache schließlich mal in den Arsch treten.)

12/12/11
Als ich unlängst gebeten wurde den Klappentext (also den Schmonzes, der normalerweise die Rückseite eines Buches verunziert) für den neuen Roman eines Autoren zu verfassen, der sich seinen guten Namen hauptsächlich in der Musikbranche ruiniert hat, gab es noch nicht mal den Gedanken ans Zögern. Schließlich habe ich nicht umsonst diverse Klosterschulen und Elite-Internate durchlaufen. Dass meine Bemühungen dann auf Seiten des Kollegen nicht den kleinsten Funken Begeisterung hervorzurufen vermochten, soll mich nicht davon abhalten, den abgelehnten Text wenigstens hier der Weltöffentlichkeit zu präsentieren:
„Wenn sich ältere Mitbürger mit Drogenvergangenheit in eine unwirtliche Köhlerhütte in den Karpaten zurückziehen, um dort monate- oder gar jahrelang aus Buchstaben Worte und aus Worten Sätze werden zu lassen, dann ist das eine Leistung, die gar nicht genug gewürdigt werden kann. Machen Sie es wie ich. Unterstützen Sie den Kampf dieser Menschen gegen den eigenen Verfall und kaufen Sie dieses Buch gleich in größerer Stückzahl. Gut möglich, dass dessen Nachfolger nie zu ende geschrieben wird …“ (Jan Off, dreimaliger DsdS-Teilnehmer ) Lieblich, oder?

29/06/11
Während der Arbeit an einem neuen Roman sammelt sich stets eine gehörige Menge geistiger Schlacke, die sich im Manuskript partout nicht unterbringen lassen will. Um nun von diesem Ballast nicht erdrückt zu werden, ist es hin und wieder notwendig, schriftstellerische Nebenkriegsschauplätze zu eröffnen, sprich: die eigentliche Arbeit zu unterbrechen, um Texte wie den folgenden zu verfassen. Warum dieser hier in der Wir-Form daherkommt? Ganz einfach: Wer sich politisch äußern möchte, ist immer gut beraten, so zu tun, als ob hinter ihm eine ganze Gruppe stünde ...


HAMBURG ABWERTEN – FLORA VERSCHWINDEN LASSEN

Dies vorweg: Auch wir haben schon diverse freudvolle, Hirn, Herz und Leber bereichernde Stunden in der Roten Flora verbracht. Wir mögen das alte Gemäuer und schätzen die Tatsache, dass aus ihm heraus immer wieder teils hochgradig erfrischende Gedanken in die Stadt hineingetragen werden. Und genau da liegt das Problem, also, nicht bei den politischen Aktivitäten, sondern beim Gemäuer selber. Wir sind nämlich nicht die einzigen, die am morbiden Charme des ehemaligen Theaters Gefallen gefunden haben.
Wenn es stimmt, dass die Flora zu den am häufigsten fotografierten Hamburger Sehenswürdigkeiten zählt – und wer dort hin und wieder vorbeiläuft und den Touristen beim Posieren zusieht, wird das kaum bezweifeln können – dann erhält die von Neubürgermeister Olaf „Brechmittel-Ole“ Scholz getätigte Aussage, dass ein Ort wie die Flora der Stadt in den vergangenen Jahren nicht schlecht getan habe, erst ihre wahre Bedeutung. Und die lautet: Die Rote Flora wertet die „Marke Hamburg“ entschieden auf, ja, ist selbst längst zur Marke geworden. Da verwundert es regelrecht, dass sich noch keine Souvenirhändler eingefunden haben, die in Sichtweite des Gebäudes Schlüsselanhänger, Feuerzeuge und T-Shirts mit Aufdrucken á la „I survived a german squat“ feilbieten.
Aber nicht nur die Flora selbst zieht Besucher aus aller Welt und damit bares Geld an, Image fördernd für den Standort Hamburg ist auch die widerständige Aura, die das pittoreske Wahrzeichen umgibt. Das kleine gallische Dorf, das sich dem römischen Imperium einfach nicht ergeben möchte, fand in seiner Putzigkeit schon bei Asterix-Lesern Anklang. Und so ein bisschen Straßenkampf und Remmidemmi gehören doch mittlerweile zu einer echten Metropole dazu wie Erotikmessen und Techno-Paraden. Unvergessen bleibt in dieser Hinsicht eine polnische Touristengruppe, die am Abend des 01.Mai 2010 inmitten einer der heftigsten Auseinandersetzungen, die das Schanzenviertel je zu verzeichnen hatte, völlig unbeeindruckt von Flaschenhagel und Wasserwerferbeschuss die Auslöser ihrer Digitalkameras mit einer Begeisterung betätigte, als ob sie gerade den Safaripark Hodenhagen durchqueren würde. Die Lieben daheim wird’s gefreut haben – endlich mal ein Happen echter Urbanität auf den mitgebrachten Urlaubsfotos.
Die Rote Flora ist also ein Gentrifizierungsmotor der Hochleistungsklasse, was nicht weiter dramatisch wäre, wenn man sich von Seiten ihrer Nutzer_Innen nicht vehement gegen Aufwertung und Verdrängung aussprechen, beziehungsweise regelmäßig mit Gentrifizierungsgegnern zusammen arbeiten würde. So wurde beispielsweise die Demonstration „Stadt selber machen! Flora bleibt!“, die am 30.04. 2011 mit mehreren Tausend Teilnehmern durch Hamburg zog, von einem Bündnis verschiedener Gruppen aus dem Umfeld von „Recht auf Stadt“, einem ausgewiesenen Anti-Gentrifizierungsnetzwerk mitgetragen. Thematisiert werden sollte im Rahmen des Aufzugs unter anderem „die Gentrifizierung im Schanzenviertel und in St. Pauli“, sprich: „steigenden Mieten und Vertreibung“.
Nun braucht sich, wer der „Piazza“, also der Fressmeile gegenüber der Flora mit einer malerisch gestalteten Abbruch-Fassade genau die exotische Kulisse liefert, vor der es sich beim Tafeln so herrlich großstädtisch fühlen lässt, über steigende Mieten im Umfeld und die damit einhergehende Verdrängung alteingesessener Bevölkerungsschichten nicht zu wundern. Selbst die Obdachlosen, die die Floristinnen und Floristen auf ihrer Außentreppe lagern lassen, scheinen den Amüsierwilligen den Appetit nicht zu verderben. Wie sollten sie auch, wenn sie ebenfalls nur als folkloristisches Element gesehen werden, das man noch gut vom letzten Besuch auf dem Mittelaltermarkt in Erinnerung hat?!
Was also tun? Die hundertste Demo zum Thema – gar noch mit sich anschließenden Krawallen – scheint kein Erfolgversprechendes Mittel zu sein. Wie sehr selbst diese radikale Form der „gesellschaftlichen Teilhabe“ mittlerweile System erhaltend wirkt, haben nicht zuletzt die Marketingstrategen der Firma Gauloises bewiesen, die am Vorabend der „Flora bleibt“-Demo mit Werbebotschaften versehene Pflastersteine aus Styropor in der Schanze verteilen ließen.
Nein, wer wie die Rote Flora „Störfaktor bleiben“ will, muss sich schon etwas anderes einfallen lassen. Eine Möglichkeit wäre sicher, um noch mal auf die am Achidi-John-Platz lagernden Berber zurückzukommen, deren Anzahl drastisch zu erhöhen, also mindestens um das Zehnfache. Aber da stünde natürlich ruckzuck das Ordnungsamt auf dem Plan, weshalb wir von hier aus, eine andere Empfehlung aussprechen möchten, nämlich die, die Fassade der Flora dergestalt umzumodellieren, dass sie am Ende einem der hässlichen, grauen Wohnblöcke gleicht wie sie in Billstedt oder dem Osdorfer Born zuhauf zu finden sind.
Noch gescheiter finden wir allerdings die Idee, dass alle, die die Flora nutzen, das Gebäude in einem Akt der Selbstbefreiung in Schutt und Asche legen. Mag die Vernichtung der „eigenen Infrastruktur“ im ersten Moment auch vollkommen schwachsinnig wirken, könnte eine derartige Tat sich im Hinblick auf eine längerfristige revolutionäre Perspektive noch als echter Segen erweisen. Denn was bringen all die Rückzugsräume, die sich die Radikale Linke in den letzten Jahrzehnten erkämpft hat? Genau, Trägheit und Besitzstandsdenken. Ein kleine Soli-Party hier, eine drollige Dach-Aktion dort, zwischendurch noch schnell ein paar Böller geschmissen und schon lässt sich’s im autonomen Freiraum wieder mit gutem Gewissen vor dem Feierabendbier abstinken. Keine Frage, die Demo am 30.04. ist in vielerlei Hinsicht ein Erfolg gewesen, in Bezug auf das, was wirklich vonnöten wäre, also die Herzen der Massen zu entflammen, war sie jedoch nur ein feuchter Furz.
Wird sich ein Junkie, dem Mutti täglich einen Hunni zusteckt, freiwillig aus seiner Sucht befreien? Nein, natürlich nicht. Ähnlich steht es um die Radikale Linke, mit all ihren gemütlichen Hausprojekten und sonstigen Pfründen. Sehen wir zu, dass sie wieder aus dem Quark kommt. Stoßen wir sie – frei nach dem Motto „nur wer nichts mehr zu verlieren hat, ist wirklich frei“ – täglich ein Stückchen tiefer in die Gosse, damit sie sich irgendwann mit einer Wucht erheben kann, die ihr niemand zugetraut hätte, am wenigsten sie selbst. Dann braucht es keine „Flora bleibt“-Demos mehr, sondern es kann endlich für das gestritten werden, auf das es wirklich ankommt, ein menschenwürdiges Leben für ALLE nämlich.

26/05/11

Damit sich die geneigte Kundschaft schon mal auf das einstimmen kann, was sie bei zukünftigen Auftritten erwartet. Hans Albers könnte abtreten (wenn er nicht schon tot wäre):


03/01/11
GALA-Redakteure aufgepasst!

Dank des verdienstvollen Einsatzes meiner Netzelfe (gebenedeit seien ihr unermesslicher Fleiß sowie ihre über jeden Zweifel erhabene Tugend) ist es zum Jahreswechsel gelungen, den längst fälligen Austausch der auf dieser Seite gesammelten Pressestimmen vorzunehmen. Und die aktuellen Lobeshymnen haben es in sich, stammen sie doch nicht nur von so klangvollen Institutionen wie dem Feigenblatt, dem Kulturmagazin für Frauen, oder einer Homepage namens energetische-paartherapie.de sondern auch von der Internetpräsenz der größten Science Fiction-Serie dieses Planeten. Heißa, da lacht das Autorenherz!
Das schönste Statement aus der weiten Welt der Bücherfreunde stammt allerdings von einer Seite namens spermaforum.com und soll, da es sich in der Rubrik Pressestimmen partout nicht unterbringen ließ, wenigstens hier seine letzte Ruhestätte finden:
„Faceloader89: Suche!!! Hallo Spermafreunde, und zwar suche ich gute erotische Bücher!!!
mariewam: Da gibt es viel verschiedenes aber mir hat zb ‚Unzucht’ von Jan Off gut gefallen.“ (Fehler wie im Original)
Wen dieser Jahrtausenddialog noch nicht hinreichend befriedigt hat, dem sei ein "Sehtest“ in der Rubrik "Probierhappen" empfohlen, denn auch dort hat es einen kompletten Austausch der Schaufensterauslagen gegeben.
Nach soviel Fleißarbeit nun aber schnell zurück ins Schlaflabor.

12/10/10
Liebe Rätselfreunde, bitte rufen Sie nicht mehr an. Der letzte "Karasek" wurde heute von einem extra für diese Botengänge eingestellten Ein-Euro-Jobber zur Post getragen. Allen Gewinnern sei eine unfallfreie Lektüre gewünscht.
Venceremos!

19/09/10
Bei dringend notwendigen Abbrucharbeiten in meiner Datsche nahe Lutherstadt Wittenberg sind 12 Exemplare des längst vergriffenen Ernährungsratgebers "Kreuzigungspatrouille Karasek" aufgetaucht. Wer sich für lau eins sichern möchte, schickt unter Angabe seiner Postadresse einfach Elektropost an meine Praktikantin (jan_off@web.de). Das Porto zahlt die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.

30/07/10
Muss ja! So, Herrschaften, nachdem ich mich in den letzten Wochen ausschließlich durch Mätzchen auf meiner facebook-Seite bemerkbar gemacht habe, ist es mir endlich gelungen, der Netzelfe meines Vertrauens (gebenedeit seien ihre Talente) meine neueste Veröffentlichung zukommen zu lassen. Das Cover von "Offenbarungseid" und die dazugehörigen Informationen sind nun also (nur schlappe drei oder vier Monate nach Erscheinen des Kompendiums) auf diesen Seiten einzusehen. Und so sei es mir gestattet, ein paar Worte zu den Gründen zu verlieren, die den Verlag aber auch mich selbst zur Herausgabe der "raren Altlasten" bewogen haben. Es gab nicht wenige Stimmen, die bei meinem letzten Roman (namens "Ackerbau und Unzucht") den "Spirit der frühen Jahre" vermissten. Und das völlig zurecht. Denn dem "Spirit der frühen Jahre" galt es einfach mal gehörig in den Arsch zu treten. Herausgekommen ist mit "Unzucht" dabei ein Roman, der nicht ganz so trostlos geworden ist wie beabsichtigt, aber immerhin noch trostlos genug, um mich in Hochstimmung zu versetzen. Darauf einen Dujardin! Denn nichts gilt es schärfer zu bekämpfen als die ewige Wiederkehr des Immergleichen. Gleichzeitig heißt es aber auch, all jenen Labsal und Erbauung zu spenden, die da ihre Mehrwegflaschensammlung mit einer ganz anderen Erwartungshaltung in die Buchläden getragen hatten. Für diese geprellten Christenmenschen sollte "Offenbarungseid", dessen Inhalt sich nahezu vollständig aus alten, uralten und völlig antiquierten Schriften zusammensetzt, das rechte Trostpflaster darstellen. Und damit voran, voran zu neuen Taten ...

30/03/10
Am 25.03.2010 ist mit Fred Udo Führer einer meiner besten Freunde verstorben. Warum ich das hier schreibe? Erstens war Fred alias Mettmann das Vorbild für eine Figur, die einige meiner älteren Kurzgeschichten bevölkert. Zweitens fühle ich mich seit seinem Tod derart leer, dass ich bis auf Weiteres auf Einträge auf dieser Seite verzichten werde. Stattdessen werde ich mir in den nächsten Wochen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln "die hirneigene Festplatte löschen" (wie Fred es ausgedrückt hätte). Sollte ich in diesem Zeitraum mir bekannte oder unbekannte Personen im Vollrausch vor den Kopf stoßen, möchte ich hier und heute schon mal in aller Form um Entschuldigung bitten.

25/01/10
Hohe Zeit, an dieser Stelle ein paar Worte zum Auftritt in Dortmund zu verlieren. Denn schön war's da, im FZW (auch wenn der Laden auf den ersten Blick gar nicht so einladend wirken wollte) und so wäre nicht nur eine ausschweifende Aftershow-Orgie angemessen gewesen, sondern auch ein durchaus längeres Programm. Dass es nicht dazu kam, ist höchst bedauerlich, aber an eben diesem Abend lagen "zwingende private Gründe" vor (um hier mal Verona Pooth zu zitieren), die es unerlässlich machten, so schnell wie möglich nach Hamburg zurück zu fahren. Sollte ich in diesem Leben nochmals in Dortmund gastieren, lese ich - und das sei hiermit versprochen - so lange, bis der (Lungen)Arzt kommt.

06/01/10
Aufräumen ist nicht nur der Titel eines grandiosen Romans aus der Feder meines geschätzten Kollegen Franz Dobler (Link), sondern auch das Gebot der Stunde. Und so habe ich diese Rubrik heute auf den Knien entrümpelt und gebohnert, damit sie sich fürderhin wieder mit REGELMÄSSIGEN Beiträgen füllen möge - wobei sich über den Ausdruck "regelmäßig" natürlich trefflich streiten lässt. Und damit euch allen, die ihr hier regelmäßig eure Vorurteile in Sachen "die nachlässige Lebensführung der kulturellen C-Klasse" überprüfen dürft, ein OFFensives neues Jahrzehnt.